Albrecht-Dürer-Schule - Weiterstadt: Darmstädter Echo vom 21. 5. 2008 Titel: Darmstädter Echo vom 21. 5. 2008
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Gut für Noten und Selbstbewusstsein

Netzwerk Paten: In Weiterstadt kümmern sich derzeit 14 Erwachsene um Hauptschüler mit Förderbedarf

WEITERSTADT. „Gibst du einem Mann einen Fisch, nährst du ihn einmal. Lehrst du ihn fischen, nährt er sich sein ganzes Leben“, sagte einmal der chinesische Philosoph Kuant Tzu. So ähnlich ist die Tätigkeit der 14 Weiterstädter Paten zu verstehen, die Hauptschülern zu besseren Abschlussnoten, mehr Selbstbewusstsein und einem Ausbildungsplatz verhelfen. Sie wirken mit an einer entscheidenden Weichenstellung für die jungen Leute.

Vor fünf Jahren begann Wilfried Vetter (77), Lehrstellen für Hauptschüler in Weiterstadt und Umgebung zu suchen. Durch seine Initiative fanden in fünf Jahren 60 seiner Schützlinge eine Lehrstelle. Vorher bereitete er seine Klienten in Abstimmung mit den Lehrern auf die richtige Bewerbung vor. Sein Erfolg beruhte darauf, dass der frühere Personalchef von Merck das Anforderungsprofil von Betrieben aus der Praxis kennt. Um das erfolgreiche Konzept auf eine breitere Basis zu stellen, gründete Vetter im vergangenen Jahr das Netzwerk Paten.

Er gewann nahezu 20 Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten Berufen. Zunächst waren die Aktivitäten auf Schüler der Albrecht-Dürer-Schule (ADS) und die neunte Klasse begrenzt. „Im kommenden Schuljahr wollen wir schon in der achten Klasse beginnen. Außerdem hat die Hessenwaldschule ebenfalls Bedarf angemeldet“, sagt Vetter. Daher würden weitere Paten benötigt; besonders Betreuer aus handwerklichen Sparten seien gefragt. Die Auswahl der Schüler treffen die Klassenlehrer.

Eine Patenschaft kommt nur auf freiwilliger Basis zustande. Im Abstand von zwei bis drei Wochen hält der Pate Kontakt mit seinem Schüler, gibt Ratschläge und Hilfen, die in den meisten Fällen zur deutlichen Verbesserung der Noten führen. Auch mit den Lehrern bleiben sie im Kontakt. Der Pate leistet Hilfestellung beim Finden eines Praktikumsplatzes, danach werden Erfahrungen des Praktikanten mit dem Paten erörtert und später gemeinsam Bewerbungsunterlagen erarbeitet. Adressen von Unternehmen, die Lehrstellen vergeben, kennt der Pate entweder aus seiner aktuellen oder früheren beruflichen Tätigkeit oder er erhält sie von der Agentur für Arbeit.

„Die Scharnierfunktion zwischen Schule und Elternhaus führt häufig zu einer schnellen Akzeptanz der Betreuer durch die Jugendlichen. Erfolgserlebnisse durch bessere Noten wirken verstärkend“, weiß Vetter. Als Nebeneffekt verbesserten sich oft auch das Kommunikationsfähigkeit und das soziale Verhalten. Die Paten ihrerseits tauschen ihre Erfahrungen einmal pro Monat untereinander aus. Auch wenn ein gewisser Zeitaufwand für die Betreuung nötig ist – die Arbeit mit den Jugendlichen macht den Paten Spaß, wird beim Stammtisch deutlich.

Günter Weber erzählt: „Ich betreue einen Jungen. Er war zwar willig, aber auch sehr bequem. Nach einer Gardinenpredigt ging es rapide aufwärts. Die Schulnoten, aber auch sein soziales Verhalten, verbesserten sich. Bewerbungsschreiben und Verhalten bei Vorstellungsgesprächen übten wir. Für seinen Hauptberufswunsch als Lagerkontorist war er nicht geeignet. Fleischer, Wunsch Nummer zwei, konnte realisiert werden.

Er erhielt eine Lehrstelle.“ Der Schüler von Friedhelm Eisenbeiß hat eine Lehrstelle als Designer erhalten: „Die gemeinsamen Gespräche während eines halben Jahres und Hilfen haben dazu beigetragen. Gestärkt hat ihn, dass ich ihn zur Agentur für Arbeit begleitet habe.“

Norbert Anger hat ein Schülerin betreut. „Für eine Lehrstelle war sie noch zu zart“, sagt er, „deshalb wurde für sie eine Aufnahme in der Berufsfachschule in Groß-Gerau angestrebt. Sie bestand Tests und Aufnahmeprüfung. Nach anfänglicher Trägheit war sie plötzlich motiviert zu lernen, hat sich an alle Absprachen gehalten und hat nach einem guten Hauptschulabschluss die Aufnahmeprüfung bestanden.“ Auch diese Erfolgserlebnisse bewegen die Paten dazu, unbedingt weiterzumachen.

„War es gut für Dich, einen Paten zu haben“, fragte ADS-Zweigleiterin Elfi Schmidt Schüler. Sie erhielt 14 fast gleich lautende Kommentare: „Es war eine Hilfe für mich“ und „hoffentlich wird das Patenprojekt fortgeführt“. Werner G. Feldmann 21.5.2008