Albrecht-Dürer-Schule - Weiterstadt: Darmstädter Echo vom 24. 12. 2008 Titel: Darmstädter Echo vom 24. 12. 2008
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Knetfiguren dürfen Emotionen zeigen

Schulprojekt: Weiterstädter Albrecht-Dürer-Schüler drehen einen Film – Teilnahme am „Krabat“-Wettbewerb

WEITERSTADT. `Tony, wo ist das Hoftor? Ich brauche das Storyboard!´ Markus Neukirch ist schwer beschäftigt. Das Hoftor einsetzen, die Knetfiguren ausrichten, die Beleuchtung prüfen, bevor er zum 129. Mal den Auslöser drückt. Im Fokus: Das Innenleben eines bunt beklebten Pappkartons. `Das ist unsere Kulisse´, übertönt er das geschäftige Gewusel im Klassensaal. `Die Lichtpunkte da sehen aus wie Schneeflocken, ist das nicht cool?´

Die Zeit drängt für die Klasse 6c der Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt. Kurz vor Einsendeschluss des Krabat-Wettbewerbes der Stiftung Lesen geht es im Raum 210 zu wie in einem Bienenstock. Die Wahl für die Kategorie `Film drehen´ fiel der Klasse leicht: ´In den anderen Kategorien hätten wir ein Drehbuch schreiben oder ein Set-Design entwerfen müssen. Hier haben wir alles zusammen´, sagt Chantal Tabola. Die Zwölfjährige ist für das Bühnenbild verantwortlich. ´Wenn wir gedreht haben, habe ich darauf geachtet, dass alles richtig steht und nichts falsches im Bild zu sehen ist´
 
Technische Bearbeitung, Projektdokumentierung, Storyboard zeichnen, Knetfiguren formen, Kulissen bauen: die Liste der verschiedenen Arbeitsgruppen ist lang. ´Genau genommen bearbeitet die Klasse zwei Projekte´, erzählt Lehrerin Ursula Scherer. Während die eine Hälfte mit Kamera und Kostümen den Braunshardter Reiterhof ´Animals for Kids´ in einen richtigen Drehort verwandelt hat, habe der andere Teil die vorgegebenen Szenen mit Knetfiguren dargestellt. Mehrere Nachmittage und einen Projekttag hat die Klasse bereits für den Wettbewerb investiert. ´Die Motivation ist sehr hoch, auch außerhalb der Schulzeit´, beschreibt Ursula Scherer das Engagement ihrer Schüler.

`Eine Szene haben wir auf dem Heuboden des Reiterhofes gedreht´, erzählt Sabrina Schmidt, die die Rolle des Staschko - eine der Figuren aus dem Jugendbuch ´Krabat´von Otfried Preußler - nach dem klasseninternen Casting übernommen hat. Neben den Aufnahmen hätten sich die Schüler noch eine Heuschlacht geliefert, die besonders lustig gewesen sei. Nicht ganz so lustig war der Wintereinbruch während den Dreharbeiten. `Wir hatten wegen den Kostümen keine Jacken an, das war schon ziemlich kalt draußen.´
 
Trotz der eisigen Temperaturen ist die Lust am Film und Schauspiel ungebrochen: Ursula Scherer, die auch die Theater-AG leitet, kann sich über erfahrenen Zuwachs aus ihrer Klasse freuen. ´Am Anfang mussten wir immer lachen`, so Sabrina Schmidt. Auf den Filmaufnahmen ist von der Heiterkeit nichts zu spüren. Der Verlust eines Mitgesellen ist von den Schülern überzeugend dargestellt.
 
Ob die Knetfiguren ihren menschlichen Darstellern gleichkommen an Emotionen, bleibt zunächst offen. ´Das Knetprojekt ist mehr Arbeit, weil jede Figur einzeln geformt werden muss.´ Anstatt die Kamera laufen zu lassen, müsse jedes Bild vorsichtig zusammengesetzt werden - Knete bewegt sich schließlich nicht von selbst.

Die Schüler sind sich jedoch sicher, es noch rechtzeitig zu schaffen. ´Die Figuren haben wir alle schon fertig, jetzt müssen wir nur noch die Bilder machen`, stellt Chantal Tabola die Situation dar und wendet sich wieder ihrer Gruppe zu
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Ursula Scherer ist zufrieden: `Ich mache Theaterprojekte vor allem mit der Oberstufe. Hier habe ich jetzt ähnlich gute Erfahrungen gemacht.´ Dennoch, ein so zeitaufwendiges Projekt - ist das in Zeiten von G8 überhaupt möglich? ´Mit dem Film beziehen wir uns auf das Unterrichtsthema ,Projekt Lesen‘´, stellt die Lehrerin klar. ´Natürlich brauchen wir viel Zeit - dafür machen wir anderes schneller.´


 
 
Vanessa Rehermann
24.12.2008